20. August 2026 9 Min. Lesezeit

Stromrechnung lesen und verstehen: Position für Position durch eine EKZ-Rechnung

Energie, Netznutzung, Messung, Abgaben: Was auf einer Schweizer Stromrechnung wirklich steht, wer die einzelnen Preise festlegt und an welchen Positionen sich etwas ändern lässt, dazu eine interaktive Beispielrechnung nach dem Muster der EKZ.

Die Stromrechnung gehört zu den Dokumenten, die man bezahlt, ohne sie zu lesen. Dabei ist sie transparent aufgebaut: Jede Position hat einen klaren Zweck, einen klaren Absender und eine klare Antwort auf die Frage, ob man daran etwas ändern kann. Wer die vier Blöcke einmal verstanden hat, liest jede Schweizer Stromrechnung, denn der Aufbau ist gesetzlich vorgegeben und bei allen Netzbetreibern gleich.

Dieser Beitrag geht Position für Position durch eine Rechnung der EKZ (Elektrizitätswerke des Kantons Zürich), unserem Netzbetreiber. Die interaktive Beispielrechnung unten folgt dem Aufbau unserer eigenen Quartalsrechnung; die Zahlen sind ein Musterhaushalt mit 1’800 kWh Verbrauch im Quartal, gerechnet mit den echten EKZ-Tarifen 2026.

Wer überhaupt an der Rechnung mitschreibt

Auf einer Stromrechnung stehen drei Absender, auch wenn nur einer sie verschickt:

  1. Der Energielieferant verkauft die Kilowattstunden. In der Grundversorgung ist das der lokale Versorger, die Preise prüft der Preisüberwacher respektive die ElCom. Das ist der einzige Block mit Produktwahl.
  2. Der Netzbetreiber transportiert den Strom. Das Netz ist ein reguliertes Monopol: Man kann es nicht wechseln, die ElCom prüft die Tarife. Dafür gibt es hier Wahltarife und seit 2026 den LEG-Abschlag.
  3. Bund, Kanton und Gemeinde hängen Abgaben an: Netzzuschlag, Stromreserve, kommunale Gebühren. Daran ändert weder Lieferant noch Netzbetreiber etwas.

Mit diesem Raster wird jede Position unten einsortierbar. Fahren Sie mit der Maus über die Zeilen der Beispielrechnung (oder tippen Sie sie an), um die Erklärung einzublenden:

Musterwerk AG
Ihre Rechnung vom 01.03.2026 bis 31.05.2026
Musterhaushalt, Einfamilienhaus, Netztarif EKZ Netz 400F, 1'800 kWh
Energielieferung
Energietarif Jan.–März600 kWh × 13.30 Rp.79.80
Energietarif Apr.–Juni1'200 kWh × 9.00 Rp.108.00
Grundtarif3 Monate × CHF 3.009.00
Netznutzung
Netz 400F1'800 kWh × 7.50 Rp.135.00
Systemdienstleistungen (SDL)1'800 kWh × 0.27 Rp.4.86
Messung
Messtarif3 Monate × CHF 5.0015.00
Zuschläge und Abgaben
Bundesabgaben1'800 kWh × 2.30 Rp.41.40
Stromreserve1'800 kWh × 0.41 Rp.7.38
Solidarisierte Kosten1'800 kWh × 0.05 Rp.0.90
Förderung Energieeffizienz1'800 kWh × 0.16 Rp.2.88
Nettobetrag (exkl. MWST)404.22
8.1 % Mehrwertsteuer32.74
RechnungsbetragCHF 436.95

Die vier Blöcke im Einzelnen

Für alle, die lieber im Fliesstext lesen (und für Suchmaschinen), hier dieselben Positionen ausführlich.

Energielieferung: der einzige Block mit Produktwahl

Die Energielieferung ist der Strom selbst. In der Grundversorgung, in der die allermeisten Haushalte sind, legt der lokale Versorger den Tarif jährlich fest und die ElCom prüft ihn. Bei der EKZ heisst das Standardprodukt «EKZ Energie Erneuerbar» und kostet 2026 im Winterhalbjahr 13.30 Rp./kWh, im Sommerhalbjahr 9.00 Rp./kWh (exkl. MWST).

Bemerkenswert ist, was 2026 verschwunden ist: der Hoch- und Niedertarif. Statt «tagsüber teuer, nachts günstig» gilt neu ein Einheitstarif, der sich pro Quartal ändert. Der klassische Ratschlag, die Waschmaschine nachts laufen zu lassen, ist damit tariflich überholt; die Saison zählt, nicht die Uhrzeit. Wer es genauer will, kann in den dynamischen Wahltarif wechseln, bei dem der Preis stündlich dem Börsenpreis folgt.

Dazu kommt ein fixer Grundtarif von CHF 3.00 pro Monat.

Netznutzung: das regulierte Monopol

Die Netznutzung bezahlt Bau, Betrieb und Unterhalt der Leitungen, Trafostationen und Unterwerke. Netzbetreiber lassen sich nicht wechseln; als Ausgleich sind die Tarife reguliert und von der ElCom überprüfbar.

Innerhalb des Monopols gibt es aber Wahlmöglichkeiten, die sich lohnen können. Die EKZ führt 2026 drei Netzprodukte für Haushalte:

NetzproduktArbeitspreis (exkl. MWST)Bedingung
EKZ Netz 400ST (Standard)7.95 Rp./kWhkeine
EKZ Netz 400F7.50 Rp./kWhEKZ darf flexible Lasten (Boiler, Wärmepumpe) netzdienlich steuern
EKZ Netz 400WP6.45 Rp./kWhWärmeanwendungen mit Steuerung

Wer die Steuerung seines Boilers zulässt, spart also knapp einen halben Rappen pro Kilowattstunde gegenüber dem Standard. Und seit 2026 gibt es einen zweiten Hebel an dieser Position: Wer einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) beitritt, erhält auf dem Arbeitspreis der Netznutzung einen gesetzlichen Abschlag von 20 oder 40 Prozent für den lokal gehandelten Strom. Was eine LEG ist, steht im eigenen Beitrag; ob sich das rechnet, im nächsten.

Die Position «Systemdienstleistungen» (0.27 Rp./kWh) geht an Swissgrid für die Stabilität des Gesamtsystems: Frequenzhaltung, Regelenergie, Schwarzstartfähigkeit.

Messung: neu sichtbar

Seit 2026 weist die EKZ die Messkosten separat aus: CHF 5.00 pro Monat für Zähler, Datenübertragung und Bereitstellung der Messwerte. Vorher steckte das unsichtbar in der Netznutzung. Der Smart Meter, der hier bezahlt wird, misst viertelstundengenau und ist die technische Grundlage für die aktuellen Neuerungen im Strommarkt: dynamische Tarife, LEG-Abrechnung, Lastverschiebung.

Zuschläge und Abgaben: der staatliche Block

Vier Positionen, auf die weder Lieferant noch Netzbetreiber Einfluss haben:

  • Bundesabgaben (2.30 Rp./kWh): der Netzzuschlag nach Energiegesetz, finanziert die Förderung erneuerbarer Energien und die Sanierung der Wasserkraft.
  • Stromreserve (0.41 Rp./kWh): die Versicherungsprämie des Landes gegen Strommangellagen, eingeführt nach dem Winter 2022/23. Bezahlt Wasserkraftreserve und Reservekraftwerke.
  • Solidarisierte Kosten (0.05 Rp./kWh): schweizweit umgelegte Netzverstärkungen, etwa für Solaranlagen-Anschlüsse.
  • Förderung Energieeffizienz (0.16 Rp./kWh): kantonale und kommunale Förderprogramme und Energieberatung. Je nach Wohnort kommen kommunale Konzessionsabgaben dazu.

Ganz unten schliesslich die Mehrwertsteuer: 8.1 Prozent auf alles, auch auf die Abgaben.

Was pro Kilowattstunde übrig bleibt

Rechnet man die Musterrechnung auf eine einzelne Kilowattstunde um (Sommerquartal, Tarif 400F), ergibt sich ungefähr dieses Bild: 9.0 Rp. Energie, 7.8 Rp. Netz und Systemdienstleistungen, 2.9 Rp. Abgaben, dazu anteilig Grund- und Messtarif sowie MWST. Ergebnis: Von rund 21 bis 22 Rappen pro kWh ist nicht einmal die Hälfte der eigentliche Strom. Wer über Strompreise diskutiert, diskutiert zur Hälfte über Netz und Staat.

Genau deshalb lohnt der Blick auf die Positionen: Der grösste einzelne Hebel eines Haushalts liegt beim Verbrauch selbst, danach kommen Netzprodukt-Wahl, Energieprodukt und neu die LEG. Für Letztere haben wir einen Preisrechner gebaut, der die Rechnung dieses Artikels fortführt.

Alle Tarife: EKZ 2026, exkl. MWST, Quelle: EKZ-Tarifsammlung 2026. Andere Netzgebiete haben andere Preise, aber denselben Rechnungsaufbau.

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