Exchange-Sicherheitsupdates vom August 2026: Pwn2Own-Lücke geschlossen, OWA Light abgeschaltet
Das August-SU schliesst sieben Schwachstellen, darunter den an der Pwn2Own 2026 demonstrierten Exchange-Exploit, und deaktiviert OWA Light endgültig. Dazu erklärt Microsoft, warum Exchange-SUs jetzt monatlich erscheinen und Exchange SE CU1 weiter auf sich warten lässt.
Achtung! Es wurde bereits ein neueres Update von Microsoft veröffentlicht:Exchange Online drosselt und blockiert ab September 2026 veraltete Exchange 2016 und 2019-Server: So funktioniert das Transport-Enforcement(7. September 2026)
Microsoft hat am 11. August 2026 Sicherheitsupdates (SUs) für Exchange Server veröffentlicht, bereits den vierten Monat in Folge. Die Updates schliessen sieben Schwachstellen. Keine davon war vorab öffentlich bekannt, keine wird nach aktuellem Stand aktiv ausgenutzt, und Microsoft stuft die Ausnutzung bei allen sieben als «Exploitation Less Likely» ein. Ein Routine-Patchday ist es trotzdem nicht, aus drei Gründen: Das Update schliesst die am Hacking-Wettbewerb Pwn2Own demonstrierte Exchange-Lücke, es schaltet OWA Light nach fast zwanzig Jahren endgültig ab, und das Exchange-Team hat im Nachgang erklärt, warum der Monatsrhythmus vorerst der Normalzustand bleibt.
Für welche Exchange-Versionen das Update verfügbar ist
Die SUs stehen für folgende Versionen bereit:
- Exchange Server Subscription Edition (SE) RTM: KB5121573, Build 15.2.2562.46; als regulär verfügbares, öffentliches Update.
- Exchange Server 2019 CU15: KB5121574, Build 15.2.1748.49; nur über das Period-2-ESU-Programm.
- Exchange Server 2019 CU14: KB5121575, Build 15.2.1544.44; nur über Period 2 ESU.
- Exchange Server 2016 CU23: KB5121576, Build 15.1.2507.72; nur über Period 2 ESU.
Es gilt dieselbe Lage wie im Juli: Exchange 2016 und 2019 sind out of support. Die SUs von Mai bis Oktober 2026 erhält nur, wer im Period-2-ESU-Programm eingeschrieben ist. Alle anderen bleiben ungepatcht auf einem Stand mit inzwischen vierzehn offenen, teils hochbewerteten Schwachstellen; der Wechsel auf Exchange SE duldet dort keinen Aufschub mehr. Exchange Online ist bereits geschützt; in Hybrid-Umgebungen muss das SU trotzdem auf alle Exchange-Server, auch auf reine Management-Server und auf Maschinen, auf denen nur die Exchange Management Tools installiert sind.
Das bekannte Problem der Wrapper-Nachrichten in freigegebenen Postfächern von Hybrid-Umgebungen besteht auch mit dem August-SU weiter; der Fix ist laut Microsoft für ein kommendes Update vorgesehen. Immerhin gibt es eine Entwarnung aus dem Kommentarbereich der Release-Ankündigung: Wer den dokumentierten SettingOverride als Workaround gesetzt hat, muss ihn nach der Installation des August-SUs nicht neu anlegen. Das Update lässt den Override unangetastet, wie das Exchange-Team dort bestätigt.
Die sieben Schwachstellen im Überblick
| CVE | Typ | CVSS |
|---|---|---|
| CVE-2026-62913 | Remote Code Execution | 8.8 |
| CVE-2026-62911 | Elevation of Privilege | 8.0 |
| CVE-2026-62914 | Spoofing | 7.3 |
| CVE-2026-62910 | Elevation of Privilege | 7.2 |
| CVE-2026-62912 | Denial of Service | 6.5 |
| CVE-2026-62915 | Security Feature Bypass | 6.5 |
| CVE-2026-65813 | Elevation of Privilege | 6.5 |
Drei davon verdienen einen genaueren Blick.
CVE-2026-62913 trägt mit CVSS 8.8 den höchsten Wert des Monats: eine Remote-Code-Execution, die ein authentifizierter Angreifer mit einfachen Rechten ohne jede Benutzerinteraktion auslösen kann. Ein beliebiges kompromittiertes Postfach-Konto genügt als Ausgangspunkt; in Zeiten von Phishing und Credential-Stuffing ist «authentifiziert» keine hohe Hürde.
CVE-2026-62911 ist die einzige Schwachstelle des Monats, die Microsoft als Critical einstuft (Elevation of Privilege, CVSS 8.0). Dahinter steckt mehr Geschichte, als die nüchterne Nummer erkennen lässt: Auf die Frage, ob der an der Pwn2Own 2026 von Orange Tsai demonstrierte Exchange-Exploit inzwischen behoben sei, verweist das Exchange-Team im Kommentarbereich der Release-Ankündigung genau auf diese CVE. Der Wettbewerbsfund ist damit geschlossen: ein Grund mehr, das August-SU nicht liegen zu lassen, denn Pwn2Own-Techniken werden nach Ablauf der Sperrfristen üblicherweise im Detail publiziert. Inzwischen ist genau das eingetreten: Ein Proof-of-Concept ist öffentlich, und das BSI meldet rund 85 Prozent anfällige On-Premises-Server in Deutschland. Wie der Angriff technisch abläuft (MRSProxy ohne Channel Binding, NTLM-Relay) und was hinter den Zahlen steckt, steht im ausführlichen Artikel zu CVE-2026-62911.
CVE-2026-62914 (Spoofing, CVSS 7.3) ist der direkte Anlass für die Abschaltung von OWA Light, dazu gleich mehr.
Die übrigen Lücken: CVE-2026-62910 (EoP, 7.2) setzt bereits hohe Rechte voraus, CVE-2026-62912 (DoS), CVE-2026-62915 (Security Feature Bypass) und CVE-2026-65813 (EoP) liegen bei CVSS 6.5. Die Details stehen wie üblich im Security Update Guide (Filter «Server Software» für Exchange SE bzw. «ESU» für 2016/2019).
OWA Light: nach fast zwanzig Jahren ist Schluss
Was das Update ändert
Mit der Installation des August-SUs wird OWA Light dauerhaft deaktiviert: auf jedem Server, auf dem das Update (oder ein späteres) landet. Wer die Light-Oberfläche aufruft, landet künftig im normalen Outlook on the web. Die Abschaltung ist Teil des Updates selbst und lässt sich nicht per Schalter rückgängig machen; Microsoft hatte sie einige Wochen vorher in einem eigenen Blogpost angekündigt.
OWA Light stammt aus der Ära von Exchange 2007: eine bewusst schlichte Weboberfläche als Fallback für alte Browser und langsame Verbindungen, seit August 2024 offiziell deprecated. Die Begründung für das Ende ist sicherheitsgetrieben: Ein separater Legacy-Rendering-Pfad neben dem modernen OWA erhöht die Komplexität und damit die Angriffsfläche; CVE-2026-62914 liefert dafür den konkreten Beleg. Wer den Juli-Artikel gelesen hat, erinnert sich zudem: Schon die CVE-2026-42897-Mitigation vom Mai hatte OWA Light nebenbei funktionsunfähig gemacht. Die Oberfläche war also bereits auf Abruf.
Wer nicht patchen kann: OWA Light manuell abschalten
Wichtig für alle, die das August-SU (noch) nicht installieren können, etwa weil die ESU-Freischaltung fehlt: Microsoft empfiehlt ausdrücklich, OWA Light in diesem Fall manuell zu deaktivieren, um CVE-2026-62914 zu entschärfen. Das geht über die OWA-Mailbox-Policy und die Anmeldeseite:
Get-OwaMailboxPolicy | Set-OwaMailboxPolicy -OWALightEnabled $false
Get-OwaVirtualDirectory | Set-OwaVirtualDirectory -LogonPageLightSelectionEnabled $false
Der erste Befehl schaltet die Light-Version für alle Postfächer der jeweiligen Policy ab, der zweite entfernt die Auswahl «Light-Version verwenden» von der OWA-Anmeldeseite. Änderungen an der virtuellen OWA-Directory greifen zuverlässig erst nach einem Recycle des OWA-App-Pools bzw. einem iisreset.
Was Admins jetzt prüfen sollten
Die Abschaltung ist technisch trivial, organisatorisch aber nicht immer: OWA Light war die stille Rückfalllösung für Nischen-Szenarien. Prüfenswert sind jetzt Lesezeichen und Helpdesk-Anleitungen, die ?layout=light fest verdrahtet haben, Kiosk- und Terminalgeräte mit alten Browsern sowie interne Anleitungen für Nutzerinnen und Nutzer, die die Light-Version aus Gründen der Barrierefreiheit verwendet haben. Das moderne Outlook on the web läuft in allen aktuellen Browsern und bringt eigene Barrierefreiheits-Funktionen mit; aber wer betroffene Anwender nicht vorab informiert, produziert Tickets.
Warum jetzt jeden Monat ein SU kommt und wo Exchange SE CU1 bleibt
Zwei Tage nach dem Release hat das Exchange-Team in einem bemerkenswert offenen Blogpost («Where is Exchange SE CU1 anyway?») die Frage beantwortet, die sich viele Admins stellen. Die Kurzfassung: Microsoft setzt konzernweit KI-Werkzeuge ein, um Schwachstellen in den eigenen Produkten zu finden. Die Teams, Exchange eingeschlossen, arbeiten die gemeldeten Funde derzeit ab: validieren, reproduzieren, fixen, auf Regressionen testen, monatlich ausliefern. Seit Mai 2026 ist so jeden Monat ein Exchange-SU erschienen, und Microsoft sagt ausdrücklich: Dieses erhöhte Tempo wird anhalten.
Das lang erwartete CU1 für Exchange SE verzögert sich genau deshalb. Ursprünglich für das erste Halbjahr 2026 angekündigt, dann auf das zweite verschoben, gibt es inzwischen gar kein Zieldatum mehr. Microsoft will CU1 erst veröffentlichen, wenn ein Monat ohne dringende Security-Zulieferung dazwischenliegt; ein CU, das sofort von einem SU überholt wird, würde vielen Organisationen doppelte Update-Arbeit bescheren. Bis dahin fliesst die monatliche Security-Payload laufend in den internen CU1-Build ein.
Für die Praxis heisst das zweierlei. Erstens: Auf CU1 zu warten ist keine Strategie, weder für die Migration auf SE noch für das Einspielen der SUs. Zweitens: Ein monatliches Wartungsfenster für Exchange gehört ab sofort fest in den Betriebskalender, so wie es bei Windows-Servern längst selbstverständlich ist.
Installation und Nachbereitung
Der Ablauf bleibt der bewährte: Zuerst mit dem Exchange Health Checker inventarisieren, welche Server auf welchem CU/SU-Stand sind und ob manuelle Schritte offen sind. Dann das SU installieren (bei veraltetem CU-Stand zeigt der Exchange Update Wizard den Pfad), den Server neu starten und kontrollieren, ob alle Exchange-Dienste sauber gestartet sind. Stehen Dienste auf deaktiviert, wurde die Installation unterbrochen; dann hilft der dokumentierte Workaround im Microsoft-Support-Artikel zum File-Version-Fehler bzw. das SetupAssist-Skript. Zum Abschluss den Health Checker erneut laufen lassen.
SUs sind kumulativ: Wer das Juli-SU übersprungen hat, kann direkt das August-SU installieren. Und für Hybrid-Umgebungen gilt der bekannte Zusatz: Wird nach der SU-Installation das Auth-Zertifikat gewechselt, sollte der Hybrid Configuration Wizard erneut ausgeführt werden.
Eine Nacharbeit aus dem Juli bleibt aktuell: Wer die CVE-2026-42897-Mitigation (M2.1.0) immer noch aktiv hat, sollte sie jetzt entfernen; wie das sauber geht, steht im Artikel zum Juli-SU.
Empfohlenes Vorgehen
Kurz zusammengefasst: Das August-SU zeitnah auf allen Exchange-Servern und Management-Tools-Maschinen einspielen: die Pwn2Own-Lücke und die 8.8er-RCE sind Grund genug, nicht auf den nächsten Patchday zu warten. Wer nicht sofort patchen kann: OWA Light lässt sich manuell als Sofortmassnahme gegen CVE-2026-62914 deaktivieren. Vor der OWA-Light-Abschaltung betroffene Nutzergruppen identifizieren und informieren (alte Bookmarks, Kiosk-Browser, Barrierefreiheits-Workflows). Danach Health Checker laufen lassen, offene Nacharbeiten aus dem Juli erledigen, und ein monatliches Exchange-Wartungsfenster einplanen, denn der Rhythmus bleibt.

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