SEPPmail 15.0.6 und 15.0.6.1: Sicherheitskorrekturen und neue Admin-Funktionen
SEPPmail hat im Juli 2026 das Patch-Release 15.0.6 und den Hotfix 15.0.6.1 veröffentlicht. Neben behobenen Schwachstellen in PDF-Generierung und PGP-Verarbeitung bringen die Releases ein separates MFA-Feld, LDAP-Authentifizierung für die Admin-GUI und Korrekturen an RuleEngine, Webmail und REST-API.
SEPPmail hat am 21. Juli 2026 das Patch-Release 15.0.6 und einen Tag später den Hotfix 15.0.6.1 veröffentlicht. Das Patch-Release schliesst mehrere Schwachstellen, aktualisiert OpenSSH und OpenSSL und bringt spürbare Verbesserungen für die Administration. Der Hotfix korrigiert zwei Fehler in der RuleEngine, die mit 15.0.6 eingeführt oder sichtbar wurden. Die Änderungen betreffen auch Appliances, die als HIN Mailgateway betrieben werden, da diese auf derselben SEPPmail-Firmware basieren.
Hotfix 15.0.6.1 vom 22. Juli 2026
Der Hotfix behebt zwei Punkte in der RuleEngine. Erstens verhinderte ein undefinierter Wert im Message-Objekt, dass Logeinträge ins Mail-Log geschrieben wurden. Betroffene Nachrichten liefen damit ohne Protokollierung durch das System. Zweitens erkennt die RuleEngine nun die Richtung archivierter E-Mails, damit deren Zustellung korrekt behandelt wird.
Wer 15.0.6 bereits installiert hat oder das Update plant, sollte direkt auf 15.0.6.1 gehen.
Die HIN-Appliances haben den Hotfix offenbar ebenfalls erhalten: Ein HIN Mailgateway mit installierter Version 15.0.6-RC-42-g278c81f84 meldet inzwischen 15.0.6-RC-88-g916e513cc als nächste Version im 15.0-Zweig. Die RC-Bezeichnungen der HIN-Firmware lassen sich nicht direkt einem SEPPmail-Release zuordnen, der Zeitpunkt des Angebots spricht aber für den Hotfix.
Sicherheitskorrekturen in 15.0.6
Der wichtigste Teil des Patch-Releases sind drei Korrekturen an der Sicherheitsarchitektur:
- Eine mögliche Path-Traversal-Schwachstelle in der PDF-Generierung wurde geschlossen. Gefunden wurde sie von InfoGuard.
- Sämtlicher per PGP entschlüsselter Inhalt wird nun Base64-codiert, um MIME-Structure-Injection zu verhindern.
- Die Funktion hashencrypt wurde auf AES-256-CBC mit PBKDF2 umgestellt.
Dazu kommen aktualisierte Bibliotheken: OpenSSH 10.4 und OpenSSL 3.0.21 beheben zusammen über zwanzig CVEs. Allein wegen dieser Punkte ist das Update für produktive Systeme empfehlenswert.
Neue Funktionen für die Administration
Drei Änderungen in der Admin-GUI fallen im Alltag auf:
- Separates MFA-Eingabefeld: Der zweite Faktor muss nicht mehr an das Passwort angehängt werden, sondern hat ein eigenes Feld. Das beseitigt eine langjährige Fehlerquelle beim Login.
- LDAP-Authentifizierung für die Admin-GUI: Administratoren können sich nun gegen einen externen LDAP-Server authentifizieren, statt lokale Konten auf der Appliance zu pflegen. Die Einrichtung ist im Artikel zur Admin-GUI-Anbindung an Active Directory beschrieben. Ob das HIN Mailgateway diese Funktion ebenfalls erhalten hat, teste ich noch und ergänze den Artikel anschliessend; da HIN dieselbe Firmware-Basis einsetzt, gehe ich davon aus.
- AutoRenew-Button für MPKI: In den MPKI-Connector-Einstellungen lässt sich die automatische Zertifikatserneuerung per «Trigger AutoRenew…» manuell anstossen.
Daneben verwendet die Appliance jetzt konsequent gültige Zeitzonen (Standard: Europe/Zurich), und die System Object ID unter System >> Advanced View wird als gültige OID validiert.
Mailverarbeitung und Webmail
In der RuleEngine wurden vier Punkte korrigiert. Die Betreffbehandlung funktioniert nun auch bei unbekanntem Encoding. Nachrichten werden gebounct, wenn eine Signatur explizit angefordert, aber nicht erstellt werden kann; bisher konnten solche Nachrichten unsigniert weiterlaufen. Archivkopien laufen neu durch die Zustellfunktion und erhalten damit ARC-Header. Und bei PGP-Nachrichten ohne MDC-Daten werden MDC-Fehler ignoriert, statt die Verarbeitung zu stören.
Im Webmail (GINA) wurden vier Fehler behoben: Die automatische Löschung nicht registrierter Konten nach Ablauf der Karenzfrist funktioniert wieder, die Funktion hashdecrypt lieferte in bestimmten Fällen ein falsch-positives Entschlüsselungsergebnis, das Hinzufügen eines Anhangs leerte die Felder An und CC, und die Zeitausgabe in den SMS-Logs war fehlerhaft.
REST-API, Cluster und Backup
Die REST-API erhält Korrekturen an mehreren Endpunkten: /system/ifaliasconfig (Umgang mit null-Werten), /system/applySysconfig (Zugriffskonfiguration), /crypto/domain/{domainName} (Upload von Domänenzertifikaten) sowie GET und POST /ssl/csr. Der Timeout für REST-Aufrufe wurde von 300 auf 900 Sekunden erhöht, was langlaufende Anfragen wie grössere Konfigurationsänderungen zuverlässiger macht.
Im Cluster-Betrieb blockierte bisher eine bestehende CARP-IP die IP-Einstellungen eines neu aufgenommenen Mitglieds; das ist behoben. Vor der täglichen Snapshot-Erstellung prüft das Backup neu zusätzlich auf eine korrupte Datenbank, bevor der Snapshot geschrieben wird.
Bezug zum Login-Ausfall unter 15.0.5
Beim Update eines Clusters auf 15.0.5 konnte die Anmeldung auf beiden Knoten ausfallen. Das Fehlerbild und die Wiederherstellung sind im Artikel zum Login-Ausfall nach dem 15.0.5-Update beschrieben. Der Hersteller kannte das Problem damals bereits und stellte eine Korrektur für eine folgende Version in Aussicht.
In den Release Notes zu 15.0.6 findet sich nun genau ein Eintrag, der zu diesem Fehlerbild passt: «prevent password rehashing when cluster members use different firmware versions». Während eines Cluster-Updates laufen die Knoten zwangsläufig vorübergehend mit unterschiedlichen Firmware-Ständen. Berechnet ein Knoten in dieser Phase Passwort-Hashes neu und repliziert sie in den Cluster, passen die Hashes auf dem anderen Stand nicht mehr, und die Anmeldung scheitert auf beiden Knoten, genau wie beim damals beobachteten Ausfall. Die Release Notes nennen den Login-Ausfall nicht ausdrücklich, der Eintrag deckt aber exakt die Konstellation ab, die ihn ausgelöst hatte. Die Ursache ist damit in 15.0.6 adressiert; die in 15.0.5 nötige Notfallprozedur mit Cluster-Auflösung sollte sich bei künftigen Updates erübrigen.
Kleinere Korrekturen
Im Mail-Log wurde die Datumssortierung korrigiert, die bisher alphabetisch statt chronologisch sortierte, und die angezeigte Grösse von LFT-Nachrichten stimmt wieder. Zugriffe auf nicht vorhandene X-Header werden nicht mehr protokolliert. Der CertCentral-Connector der MPKI geht robuster mit Eingabe- und REST-Fehlern um.
Einordnung
Die beiden RuleEngine-Fehler aus dem Hotfix sprechen dafür, 15.0.6 zu überspringen und direkt 15.0.6.1 einzusetzen. Erstellen Sie bei Clustern vor dem Update Snapshots beider Knoten und halten Sie die Update-Reihenfolge der Herstellerdokumentation ein. Der Login-Ausfall unter 15.0.5 hat gezeigt, weshalb diese Vorbereitung kein Formalismus ist.

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