24. August 2026 5 Min. Lesezeit

RDP-Druckerumleitung: Drucken über den lokalen PC statt über den Remote-Rechner

Druckaufträge aus der RDP-Sitzung sollen auf dem Drucker neben dem Anwender landen, nicht auf dem fernen Rechner. Die Einstellung dafür sitzt an drei Stellen: im RDP-Client, in der .rdp-Datei und auf dem Zielsystem. Dazu der Umgang mit der Warnung «Unbekannter Herausgeber» und eine Troubleshooting-Checkliste.

Ein Anwender arbeitet per Remote Desktop auf einem fernen Rechner und will auf dem Drucker drucken, der neben ihm steht. Genau dafür gibt es die Druckerumleitung: Der RDP-Client meldet die lokalen Drucker in der Sitzung an, der Druckauftrag läuft über den RDP-Kanal zurück zum Client und wird dort ausgegeben. Auf dem Zielsystem taucht der Drucker mit dem Zusatz (umgeleitet, Sitzung n) auf. Treiber auf dem fernen Rechner braucht es dafür in der Regel keine: Windows verwendet den Universaltreiber Remote Desktop Easy Print; der passende Druckertreiber muss nur auf dem lokalen Client installiert sein.

Die Umleitung greift nur beim Verbindungsaufbau. Nach jeder Änderung an den Einstellungen muss die Sitzung vollständig getrennt und neu verbunden werden; ein blosses Minimieren des RDP-Fensters reicht nicht.

Client-Seite: die Umleitung aktivieren

Am einfachsten lässt sich die Druckerumleitung über die grafische Oberfläche aktivieren: mstsc starten, Optionen einblenden, Reiter Lokale Ressourcen, Haken bei Drucker setzen und die Verbindung im Reiter Allgemein speichern. Wer mit .rdp-Dateien arbeitet, kann die Zeile direkt in der Datei anpassen; .rdp-Dateien sind einfache Textdateien und lassen sich mit jedem Editor bearbeiten:

redirectprinters:i:1

Eine Besonderheit bei Verknüpfungen ohne .rdp-Datei: Wird die Verbindung mit mstsc /v:hostname gestartet, gelten die Einstellungen aus der versteckten Datei Default.rdp im Dokumente-Ordner des Anwenders. Fehlt dort die Zeile redirectprinters:i:1, bleibt der Drucker weg, obwohl scheinbar alles richtig konfiguriert ist. Dieses Snippet trägt die Zeile idempotent nach (vorhandene 0 wird zu 1, fehlende Zeile wird ergänzt) und zeigt zur Kontrolle das Ergebnis an:

$f = "$env:USERPROFILE\Documents\Default.rdp"
if (Test-Path $f) {
    $c = Get-Content $f
    if ($c -match 'redirectprinters') {
        $c -replace 'redirectprinters:i:0', 'redirectprinters:i:1' | Set-Content $f
    } else {
        Add-Content $f 'redirectprinters:i:1'
    }
} else {
    Set-Content $f 'redirectprinters:i:1'
}
Select-String -Path $f -Pattern 'redirectprinters'

Zwei weitere Fehlerquellen auf der Client-Seite: Erstens merkt sich Windows pro Zielrechner unter HKCU\Software\Microsoft\Terminal Server Client\LocalDevices, welche Umleitungen der Anwender im Sicherheitsdialog zuletzt erlaubt hat; diese gespeicherte Auswahl überschreibt die Vorgabe aus der .rdp-Datei. Das Löschen des Schlüssels setzt den Zustand zurück. Zweitens deaktiviert der Registry-Wert DisablePrinterRedirection (DWORD, Wert 1) unter HKLM\Software\Microsoft\Terminal Server Client die Druckerumleitung auf dem Client komplett; auf verwalteten Geräten lohnt ein Blick darauf, bevor die Fehlersuche in der Sitzung beginnt.

Server-Seite: Umleitung erlauben

Auf dem Zielsystem entscheidet die Richtlinie Clientdruckerumleitung nicht zulassen (Computerkonfiguration → Administrative Vorlagen → Windows-Komponenten → Remotedesktopdienste → Remotedesktop-Sitzungshost → Druckerumleitung). Steht sie auf Aktiviert, werden keine Client-Drucker angelegt, egal was der Client anfordert. Es gilt das Prinzip der restriktivsten Einstellung: Sperrt eine der beiden Seiten die Umleitung, findet sie nicht statt.

Ohne Gruppenrichtlinie steuert derselbe Mechanismus über die Registry: fDisableCpm unter HKLM\SYSTEM\CurrentControlSet\Control\Terminal Server\WinStations\RDP-Tcp (0 = Umleitung erlaubt, 1 = gesperrt). Daneben muss auf dem Zielsystem der Dienst Druckwarteschlange laufen; ohne Spooler werden auch umgeleitete Drucker nicht angelegt.

In derselben GPO-Kategorie finden sich zwei weitere nützliche Einstellungen: Zuerst den Remotedesktop-Easy Print-Druckertreiber verwenden (Standard und meist die richtige Wahl) und Standarddrucker des Clients als Standarddrucker der Sitzung festlegen.

Die Warnung «Unbekannter Herausgeber»

Beim Öffnen einer unsignierten .rdp-Datei, die Geräteumleitungen anfordert, zeigt der Client eine Sicherheitswarnung mit Checkboxen für die einzelnen Ressourcen. Dort gesetzte oder entfernte Haken gelten nur für diesen einen Verbindungsstart, landen aber im oben erwähnten LocalDevices-Schlüssel und wirken so still in künftige Verbindungen hinein. Wer sich wundert, warum der Drucker-Haken trotz korrekter .rdp-Datei immer wieder fehlt, findet die Ursache fast immer dort.

Für den Umgang mit der Warnung gibt es drei Wege, in aufsteigendem Aufwand. Erstens: die Verbindung per mstsc /v:hostname statt über die .rdp-Datei starten; ohne Datei gibt es keine Herausgeber-Prüfung, die Einstellungen kommen aus der Default.rdp. Zweitens: die Umleitungen für den Zielrechner per Registry vorab genehmigen, dann entfällt der Ressourcen-Teil des Dialogs:

$key = "HKCU:\Software\Microsoft\Terminal Server Client\LocalDevices"
New-Item -Path $key -Force | Out-Null
Set-ItemProperty -Path $key -Name "hostname-oder-ip" -Value 0xFFFFFFFF -Type DWord

Drittens, der saubere Weg für verteilte .rdp-Dateien im Unternehmen: die Datei mit rdpsign.exe und einem Zertifikat signieren und den Zertifikats-Fingerabdruck per GPO als vertrauenswürdigen Herausgeber hinterlegen. Für einzelne Arbeitsplätze lohnt sich der Aufwand selten, für zentral verteilte Verbindungsdateien ist er die richtige Lösung.

Troubleshooting-Checkliste

Wenn der Drucker in der Sitzung nicht auftaucht, in dieser Reihenfolge prüfen:

  1. Neu verbunden? Die Umleitung greift nur beim Verbindungsaufbau, nicht in einer bestehenden Sitzung.
  2. Richtige Datei? Bei Verknüpfungen prüfen, welche .rdp-Datei tatsächlich geöffnet wird; bei mstsc /v: zählt die Default.rdp.
  3. Gespeicherte Auswahl? LocalDevices-Schlüssel auf dem Client kontrollieren oder löschen.
  4. Client-Sperre? DisablePrinterRedirection unter HKLM\Software\Microsoft\Terminal Server Client darf nicht auf 1 stehen.
  5. Server-Sperre? GPO «Clientdruckerumleitung nicht zulassen» bzw. fDisableCpm auf dem Zielsystem prüfen.
  6. Spooler? Dienst Druckwarteschlange auf dem Zielsystem muss laufen.
  7. Kontrolle in der Sitzung: Get-Printer | Where-Object DriverName -eq "Remote Desktop Easy Print" listet die umgeleiteten Drucker samt Sitzungs-ID.

Quellen

  1. Supported RDP properties

    Referenz aller .rdp-Eigenschaften, darunter redirectprinters mit Werten und Default.

    https://learn.microsoft.com/en-us/azure/virtual-desktop/rdp-properties
  2. Configure printer redirection over the Remote Desktop Protocol

    Easy Print, GPO- und Intune-Konfiguration, DisablePrinterRedirection und der Test mit Get-Printer.

    https://learn.microsoft.com/en-us/azure/virtual-desktop/redirection-configure-printers
  3. rdpsign

    Kommandoreferenz zum Signieren von .rdp-Dateien per Zertifikats-Fingerabdruck.

    https://learn.microsoft.com/en-us/windows-server/administration/windows-commands/rdpsign

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