14. Juli 2026 6 Min. Lesezeit

Exchange-Sicherheitsupdates vom Juli 2026 richtig nachbereiten

Nach der Installation sind zwei Aufräumarbeiten nötig: die alte CVE-2026-42897-Mitigation kontrolliert entfernen und überprivilegierte Legacy-Gruppen im Active Directory prüfen.

Achtung! Es wurde bereits ein neueres Update von Microsoft veröffentlicht:Exchange Online drosselt und blockiert ab September 2026 veraltete Exchange 2016 und 2019-Server: So funktioniert das Transport-Enforcement(7. September 2026)

Mit der Installation der Exchange-Sicherheitsupdates vom 14. Juli 2026 ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen. Danach sollten Administratoren zwei Altlasten beseitigen: die im Mai aktivierte Mitigation für CVE-2026-42897 und zwei historische Exchange-Sicherheitsgruppen mit weitreichenden Rechten im Active Directory.

Beide Aufgaben sind leicht zu übersehen. Die Mitigation bleibt absichtlich bestehen, bis sie kontrolliert entfernt wird. Die Gruppen wiederum können seit vielen Jahren unbemerkt jede Migration überlebt haben.

Für welche Exchange-Versionen das Update verfügbar ist

Die SUs stehen für folgende Versionen zur Verfügung:

  • Exchange Server Subscription Edition (SE) RTM: als regulär verfügbares, öffentliches Update.
  • Exchange Server 2019 CU14 und CU15: nur für Organisationen, die im Period-2-ESU-Programm eingeschrieben sind.
  • Exchange Server 2016 CU23: ebenfalls nur über Period 2 ESU.

Exchange 2016 und 2019 sind out of support. Wer nicht im Period-2-ESU-Programm ist (gültig von Mai bis Oktober 2026), erhält diese Updates nicht mehr und sollte den Wechsel auf Exchange SE nicht länger aufschieben. Exchange-Online-Umgebungen sind bereits geschützt; in Hybrid-Setups muss das SU trotzdem auf allen Exchange-Servern eingespielt werden, auch auf reinen Management-Servern. Welche konkreten CVEs adressiert werden, steht wie üblich im Security Update Guide (Filter «Server Software» für Exchange SE bzw. «ESU» für 2016/2019).

Ein bekanntes Problem gibt es im aktuellen Release: In Hybrid-Umgebungen können sogenannte Wrapper-Nachrichten im Posteingang von freigegebenen Postfächern auftauchen. Details dazu im entsprechenden Microsoft-Support-Artikel.

CVE-2026-42897-Mitigation nach der Installation entfernen

Kurzer Rückblick

CVE-2026-42897 wurde am 14. Mai 2026 bekannt gegeben: eine Cross-Site-Scripting-Schwachstelle (Spoofing) in Outlook Web Access. Ein Angreifer schickt eine speziell präparierte E-Mail; öffnet das Opfer diese in OWA und sind bestimmte Interaktionsbedingungen erfüllt, lässt sich beliebiges JavaScript im Browser-Kontext ausführen. Betroffen waren Exchange 2016, 2019 und SE in jedem Patch-Stand. Microsoft veröffentlichte noch am selben Tag eine Notfall-Mitigation (ID M2.1.x, die konkrete IIS-Regel heisst M2.1.0) und lieferte mit dem Juni-2026-SU den eigentlichen Fix nach.

Warum das Juli-Update die Mitigation nicht automatisch entfernt

Das ist der Punkt, der die meisten überrascht: Auch nach der Installation des Juli-SUs bleibt eine bereits angewandte Mitigation aktiv. Der Grund liegt in der Mechanik. Die Mitigation ist eine Content-Security-Policy-basierte IIS-URL-Rewrite-Regel, die ausserhalb des MSI-Installers eingespielt wurde, entweder durch die Emergency-Mitigation-Service (EM Service) oder durch das EOMT-Skript. Der MSI-Patch tauscht Binärdateien aus, verwaltet aber diese out-of-band gesetzten IIS-Regeln nicht. Deshalb ist das Entfernen ein eigener, manueller Schritt.

Nebenbei: Die Mitigation hat IE-Clients und Edge im IE-Modus ohnehin nie geschützt, weil der Internet Explorer keine CSP unterstützt. Wer solche Clients im Einsatz hatte, war über die Mitigation allein nie abgesichert. Das ist ein weiteres Argument, zeitnah zu patchen statt sich auf die Mitigation zu verlassen.

Der heikle Punkt: der EM Service spielt die Mitigation wieder ein

Eine voreilig gelöschte Regel bleibt nicht dauerhaft entfernt. Der EM Service läuft stündlich und gleicht den Ist-Zustand mit den vom Office-Config-Service (Flighting) gelieferten Vorgaben ab. Die Zuordnung «welcher Build braucht welche Mitigation» liegt serverseitig. Erst eine serverseitige Änderung markiert den Juli-2026-Build als «Mitigation nicht mehr nötig». Diese Änderung wurde laut Microsoft erst rund um den 16. Juli 2026 vollständig ausgerollt. Bis dahin trägt der EM Service eine gelöschte M2.1.0-Regel im nächsten stündlichen Lauf einfach wieder ein.

Praktisch heisst das: Entweder wartet man mit dem manuellen Entfernen bis nach dem 16. Juli, oder man blockiert die Mitigation explizit, damit sie nicht reaktiviert wird.

So entfernt man die Mitigation sauber (EM-Service-Pfad)

Zuerst prüfen, was überhaupt angewandt ist:

Get-ExchangeServer -Identity <Servername> | Format-List Name,MitigationsApplied,MitigationsBlocked

Um die Reaktivierung zu verhindern, wird die Mitigation-ID auf die Blockliste gesetzt: Einträge dort werden vom EM Service im stündlichen Lauf ignoriert.

Set-ExchangeServer -Identity <Servername> -MitigationsBlocked @("M2.1.0")

Danach die eigentliche IIS-Regel entfernen. Gut zu wissen und selten dokumentiert: Der EM Service legt seine URL-Rewrite-Regeln mit dem Präfix «EEMS <Mitigation-ID> <Beschreibung>» an. Damit findet man sie im IIS-Manager unter URL Rewrite (bzw. per appcmd/PowerShell in der applicationHost.config) eindeutig wieder, ohne raten zu müssen, welche Regel zur Mitigation gehört. Nach dem Ausrollen der serverseitigen Änderung kann man den Block wieder aufheben (-MitigationsBlocked @()), sofern man ihn nur als Übergangslösung gesetzt hat.

EOMT-Pfad (getrennte oder Air-Gapped-Umgebungen)

Wurde die Mitigation über das herunterladbare EOMT-Skript (https://aka.ms/UnifiedEOMT) gesetzt, erfolgt der Rückbau über den Rollback-Schalter:

.\EOMT.ps1 -RollbackMitigation -CVE "CVE-2026-42897"

Auch hier ein wenig bekanntes Detail: EOMT sichert vor jeder Änderung den IIS-Ausgangszustand in einer CVE-spezifischen JSON-Backup-Datei unter %WINDIR%\System32\inetsrv\config\. Der Rollback liest genau diese Datei und stellt die ursprünglichen Einstellungen wieder her. Wichtig: Eine mit einem Legacy-Skript (EOMTv2 etc.) gesetzte Mitigation muss auch mit dessen eigenem Rollback-Mechanismus zurückgenommen werden: Die Backup-Formate sind nicht kompatibel.

Warum sich das Entfernen lohnt

Die Mitigation ist nicht «gratis». Solange sie aktiv ist, schleppt man ihre bekannten Nebenwirkungen mit: Die OWA-Funktion «Kalender drucken» funktioniert nicht, Inline-Bilder werden im OWA-Lesebereich unter Umständen nicht korrekt angezeigt, OWA Light (/?layout=light) ist defekt (wird ohnehin demnächst abgeschaltet), veröffentlichte Kalender liefern teils Fehler 500. Besonders tückisch fürs Monitoring: Der Healthset OWACalendar.Proxy kann auf unhealthy springen und damit Fehlalarme in der Überwachung auslösen. Wer das SU installiert hat, aber die Mitigation stehen lässt, sucht am Ende nach Fehlern, die keine sind. Sobald das Update installiert und die Mitigation entfernt ist, verschwinden auch diese Known Issues.

Ein Sonderfall: In gemischten Umgebungen dürfen noch nicht aktualisierte Server die Mitigation behalten. Man sollte aber wissen, dass die Office-Online-Server-Integration (OOS) unter Umständen erst dann wieder sauber funktioniert, wenn alle Exchange-Server in der Organisation auf dem Juli-Stand sind.

Health Checker: uralte Sicherheitsgruppen aufspüren

Der zweite, vom SU-Release unabhängige Punkt: Der Exchange Health Checker (https://aka.ms/ExchangeHealthChecker) prüft neu auf die Existenz zweier längst deprecierter Sicherheitsgruppen: «Exchange Domain Servers» und «Exchange Enterprise Servers».

Woher diese Gruppen kommen und warum sie ein Risiko sind

Diese beiden Gruppen stammen aus dem Berechtigungsmodell von Exchange 2000/2003 und sind seit Exchange 2007 deprecated. Mit Exchange 2007/2010 kam das Split-Permissions- bzw. RBAC-Modell, und seither werden sie schlicht nicht mehr verwendet. Das Problem: Verschwunden sind sie damit nicht. In vielen Verzeichnissen liegen sie seit rund zwei Jahrzehnten unbeachtet herum und tragen teilweise noch weitreichende ACLs aus dem alten Modell, also mehr Rechte, als eine moderne Exchange-Sicherheitsgruppe je hätte.

Genau das macht sie zum Angriffsvektor. Eine inaktive Gruppe mit stehenden, breiten Berechtigungen ist eine klassische Eskalationskette: Wer es schafft, sich (oder ein kontrolliertes Konto) in eine solche Gruppe aufzunehmen, erbt deren Rechte im Verzeichnis. Da niemand die Gruppe aktiv beobachtet, fällt eine solche Manipulation kaum auf.

Warum die meisten Admins sie nicht kennen

Diese Gruppen sind aus mehreren Gründen ein blinder Fleck: Sie sind seit ~20 Jahren inaktiv, existierten meist schon vor der Amtszeit des heutigen Teams, überleben klaglos jede Migration und wurden vom Health Checker bisher nie angezeigt. Besonders heikel: Sie überstehen sogar die vollständige Ausserbetriebnahme von on-premises Exchange. Wer den letzten Exchange-Server entfernt hat, räumt in der Regel die Server-Objekte weg, übersieht aber diese Legacy-Gruppen komplett.

Aufräumen

Der Health Checker meldet die Gruppen künftig automatisch. Manuell findet man sie im Active Directory (üblicherweise im Users-Container) bzw. per PowerShell:

Get-ADGroup -Filter "Name -eq 'Exchange Domain Servers' -or Name -eq 'Exchange Enterprise Servers'"

Vorgehen: Mitgliedschaft und allfällige benutzerdefinierte ACL-Referenzen prüfen, sicherstellen, dass nichts Produktives darauf verweist, und die Gruppen anschliessend löschen. Da sie seit 2007 deprecated sind, sind sie in der überwiegenden Mehrheit der Umgebungen gefahrlos entfernbar. Wer gar keinen on-premises Exchange mehr betreibt, sollte im gleichen Zug eine umfassendere AD-Bereinigung nach der offiziellen Microsoft-Anleitung einplanen.

Eine detaillierte Anleitung zum Entfernen der Gruppen hat Hayes Jupe in seinem Blogpost Latest Exchange health check script and deprecated groups geschrieben.

Empfohlenes Vorgehen

Kurz zusammengefasst der praktische Ablauf: Zuerst mit dem Health Checker den Bestand inventarisieren (er zeigt fehlende CUs/SUs, offene manuelle Schritte und neu die Legacy-Gruppen). Dann das aktuelle CU sowie das Juli-SU einspielen, den Server neu starten und prüfen, ob alle Exchange-Dienste sauber gestartet sind. Danach den Health Checker erneut laufen lassen, die CVE-2026-42897-Mitigation entfernen (nach dem 16. Juli bzw. mit vorherigem Block der ID M2.1.0) und schliesslich die deprecierten Sicherheitsgruppen bereinigen. SUs sind kumulativ: Wer auf einem unterstützten CU sitzt, muss nicht jedes Zwischen-SU nachziehen, sondern installiert direkt das neueste.

Quellen

  1. Released: July 2026 Exchange Server Security Updates – Microsoft Community Hub

    Offizielle Ankündigung des Juli-Releases mit den unterstützten Versionen und dem bekannten Wrapper-Nachrichten-Problem.

    https://techcommunity.microsoft.com/blog/exchange/released-july-2026-exchange-server-security-updates/4534146
  2. Addressing Exchange Server May 2026 vulnerability CVE-2026-42897 – Microsoft Community Hub

    Ursprüngliche Sicherheitsmeldung samt Notfall-Mitigation und den bekannten Nebenwirkungen in OWA.

    https://techcommunity.microsoft.com/blog/exchange/addressing-exchange-server-may-2026-vulnerability-cve-2026-42897/4518498
  3. Released: June 2026 Exchange Server Security Updates – Microsoft Community Hub

    Das Juni-Release, das den eigentlichen Fix für CVE-2026-42897 nachlieferte.

    https://techcommunity.microsoft.com/blog/exchange/released-june-2026-exchange-server-security-updates/4524491
  4. Exchange Emergency Mitigation Service (Exchange EM Service) – Microsoft Learn

    Funktionsweise des EM Service, der Mitigationen stündlich abgleicht und eine voreilig gelöschte Regel wieder einträgt.

    https://learn.microsoft.com/en-us/exchange/plan-and-deploy/post-installation-tasks/security-best-practices/exchange-emergency-mitigation-service
  5. Set-ExchangeServer (ExchangePowerShell) – Microsoft Learn

    Parameter MitigationsApplied und MitigationsBlocked, um Mitigationen zu prüfen und die Reaktivierung zu unterbinden.

    https://learn.microsoft.com/en-us/powershell/module/exchangepowershell/set-exchangeserver
  6. Exchange On-premises Mitigation Tool (EOMT) – Microsoft CSS-Exchange

    Das EOMT-Skript inklusive Rollback-Schalter und CVE-spezifischer JSON-Sicherung des IIS-Ausgangszustands.

    https://microsoft.github.io/CSS-Exchange/Security/EOMT/
  7. CVE-2026-42897 Detail – NVD

    Technische Beschreibung und Bewertung der Schwachstelle in der National Vulnerability Database.

    https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-42897

Kommentare

Die Kommentare werden von GitHub / Giscus geladen.